2015-2020

Die Malerei sehe ich als meine Königsdisziplin. Sie ist ein Feld, das so gross ist, dass ich eigene Spielfelder festlegen und personalisierte Spielregeln aufstellen muss. Ich erlaube mir, gegenstandslos und figurativ, oder beides zusammen, zu malen. In diesen Spielfeldern bewege ich mich nach den selbstauferlegten Spielregeln. Ein von Anfang an feststehendes Konzept, eine Idee, ein System, das nur noch abgearbeitet werden muss, kenne ich aber nicht. Geometrische Formen und klare Linien, die in meinen Bildern häufig vorkommen, könnten das Gegenteil suggerieren. Diese Anlage kann eine fruchtbare Spannung erzeugen; es spornt mich eher an, von Innen an die einmal definierte Grenze zu gehen und inliegende Räume auszureizen als frühzeitig Regeln zu brechen.

Es braucht ein gefühlsmässiges Momentum, ein Bewegtsein durch einen Weltinhalt, um die Kraft ein Spiel zu haben. Das ist wie ein Windstoss, den ich nicht selber erzeugen kann, da er von aussen kommt. Da geht es oft um „Landschaften“, welche ich nicht als Kulissen sehe, sondern als Ausdruck, als Resultat der auf sie einwirkenden gesellschaftlichen Kräfte. Verschiedene politische Akteure kämpfen um Boden und stecken Claims aus.

Je länger das Malen dauert, desto mehr Arbeit habe ich schon investiert und das Risiko des Verlustes und des Scheiterns wird ständig grösser. Ein Bild, das ich über Monate nicht fertigkriege, ist ein Ärgernis. Ein sicheres Rezept, aus dem Schlamassel herauszukommen, gibt es nicht. Aber das Glück, wenn etwas doch noch gelingt, wird grösser. Dieses Glück ist auch verbunden mit Stolz, die Herausforderung angenommen und bewältigt zu haben.

Ich habe keine Absicht, den Prozess einer Bildfindung künstlich zu verlängern. Die Anzahl Farbschichten und die Anzahl verbrachter Stunden allein stellt noch keinen Wert dar. Mein Ziel ist immer, ein Bild möglichst rasch zu Ende zu bringen- das kann dauern…