2015-2020

2016 begann ich am Schweizer Institut in Venedig das Projekt „Pleinair-Zeichnen in der Stadt“, das ich seither fortgeführt habe. Teile davon zeigte ich bereits an jurierten Dezemberausstellungen im Kunstmuseum Winterthur und im Sommer 2017 in einer Doppelausstellung im Kunstraum „OXYD“ in Winterthur.

Es geht mir darum, direkt vor dem „Motiv“ (ein Wort, das ich sonst nie brauche) im Freien zu zeichnen. Das Zeichnen nach einer Fotografie desselben Motivs wäre mir ganz unmöglich. Die mediale Distanz, die durch eine Fotografie geschaffen wird, bedeutete für mich die völlige Sinnentleerung und damit die Unmöglichkeit, so vorzugehen. Alles, was ich an der Pleinairmethode spannend finde, fehlt beim Betrachten eines schon vorhandenen zweidimensionalen Abbilds, einer Fotografie. Ich stosse noch immer auf genügend Phänomene der Wahrnehmung und Umsetzung, die niemals ganz zu ergründen sind und darum einen Teil des Faszinosums darstellen. Das setzt ein bereits vor dem ersten Strich, nämlich beim sogenannten „Finden des Motivs“. Dieses festzulegen scheint fast das Schwierigste am Ganzen zu sein, da dieser Prozess in meinem Bewusstsein jedes Mal von neuem die halbe Kunst- und Kitschgeschichte durchlaufen muss, bevor ich mir selber grün Licht gebe.

Mich interessieren und freuen urbane Situationen, das flüchtige Sosein einer Konstellation aus gebauten Strukturen und Architektur, Vegetation und der flüchtigen Licht- Schatten- Welt, die sich -bei Sonnenschein- als dritte Ebene fordernd über die Objektwelt legt.
Mit dem momentan verbreiteten „Urban-Sketching“-Social Movement habe ich nichts zu tun. Mir geht es aber auch nicht um Ironie oder darum, mich über eine old school des Zeichnens lustig zu machen. Ich meine es soweit ernst und-: es ist nicht leicht. Ansätze zu Routine werden durch die nie ganz fassbare sichtbare Wirklichkeit und die Schwierigkeiten der Deutung von Wahrnehmung pulverisiert